Die Kunstdenkmäler der Schweiz KdS / Kanton Aargau

 

Der Kanton Aargau beginnt in den 1940er Jahren mit der Inventarisation seiner Kunstdenkmäler. 1948 wird der erste Band über die Bezirke Aarau, Kulm und Zofingen von Michael Stettler publiziert. In den folgenden sieben Jahrzehnten erscheinen zehn Kunstdenkmälerbände. Bis zum Abschluss der Erstinventarisation stehen noch zwei Bände aus.

Die Kunstdenkmäler-Inventarisation ist bei der Kantonalen Denkmalpflege angesiedelt und pflegt eine enge Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Bauberatung, Bauinventar und Dokumentation.

 

Zuletzt erschienen: Der Bezirk Zurzach I. Aaretal, Surbtal, Kirchspiel Leuggern (2024)

Der vielschichtige Band behandelt den katholisch geprägten Bezirk Laufenburg, der bis zur Kantonsgründung zum habsburgischen Vorderösterreich gehörte. Das Bandgebiet erstreckt sich im oberen Fricktal vom Rhein südwärts weit in den Tafeljura erstreckt und umfasst die Kleinstadt Laufenburg sowie 17 Landgemeinden umfasst. Dem Bezirkshauptort Laufenburg, der sich unter den Habsburgern im frühen 13. Jh. zur Stadt entwickelte, gilt ein besonderes Augenmerk. Von den Resten der Grafenburg und der Stadtbefestigung über die barockisierte Stadtkirche, den stuckierten Gerichtssaal mit seinen habsburgischen Kaiserporträts bis zu den Altstadthäusern und zum Wasserkraftwerk reicht der breite Themenfächer. Die Landgemeinden sind von dem in den 1960er-Jahren einsetzenden Wirtschaftswachstum und der sich beschleunigenden Neubautätigkeit bisher ganz unterschiedlich tangiert worden. Während etwa Frick durch die A3 in den Sog der Zentren Basel und Zürich geriet und einen gewichtigen Teil seines historischen Baubestands einbüsste, hat sich dieser in etwas abseits gelegenen Ortschaften wie Hottwil, Ittenthal, Wittnau und Wölflinswil recht gut erhalten. Von den alles überstrahlenden Pfarrkirchen sind die barocken Neubauten in Herznach, Frick und Mettau die kunstgeschichtlichen Höhepunkte.

 

In Bearbeitung: Der Bezirk Zurzach II. Rheingemeinden und Studenland von Kaiserstuhl bis Bad Zurzach (2031)

Der zweite Band zum Bezirk Zurzach widmet sich der Landschaft am Hochrhein und den nördlichen Taleinschnitten des Juranordfusses, von Kaiserstuhl an der Grenze zum Kanton Zürich bis Rietheim im Westen und Siglistorf im Süden. In den letzten Jahren erlebte die Gegend zwar einen politischen Zusammenschluss, entbehrte aber als peripherer Teil der Grafschaft Baden während Jahrhunderten eines politischen oder gerichtlichen Zentrums. Insbesondere wenn man die rechtsrheinischen Besitzungen der Kaiserstuhler Bürger bzw. des Chorherrenstifts in Zurzach mit in Betracht zieht, suchten hier neben den Landgrafen des Klettgaus und den Landvögten in Baden auch Vertreter des Konstanzer Bischofs, die Äbte von St. Blasien und seit der Reformation der Zürcher Klerus ihre Interessen durchzusetzen. Kultisch strahlte indes der Flecken Zurzach dank Stiftskirche und Grablege der hl. Verena weit über die Grafschaft Baden aus, was nicht zuletzt am Zusammenspiel mit der halbjährlichen Warenmesse lag, die bereits im Spätmittelalter überregionale Bedeutung besass. Helvetik und Kantonsgründung 1803 verstärkten die Randlage weiter, indem sie den Rhein zur Landesgrenze verfestigten. So erlebte der nördliche Bezirk Zurzach im 19. Jh. eine wirtschaftliche Depression, die vom Aufblühen der Textilindustrie, der Salzgewinnung und der Ansiedlung chemischer Unternehmen erst mit Verspätung aufgefangen wurde.

Die baukulturellen Zeugen sind trotz dieser ungünstigen Voraussetzungen von beachtlicher typologischer Breite und Qualität. Sie reichen von den einfachen bäuerlichen Vielzweckbauten über städtische Wohnbauten schlichteren wie repräsentativeren Anspruchs zum eigenständigen Typus des frühneuzeitlichen Messehauses, von der mittelalterlichen Stadtbefestigung Kaiserstuhls zu den Arbeiterwohnquartieren und Fabrikantenvillen weiter rheinabwärts. Die Sakralbauten, deren älteste Spuren in das 4. Jh. zurückdatieren, umfassen mit der Pfarrkirche von Curjel & Moser in Baldingen (1898) und der Kapelle St. Fridolin in Siglistorf von Ferdinand Pfammatter (1970) fast 2000 Jahre Architekturgeschichte.

 

Bisher erschienene Bände aus der Reihe «Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau»:

Band I: Michael Stettler. Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Basel 1948.

Band II: Michael Stettler und Emil Maurer. Die Bezirke Lenzburg und Brugg. Basel 1953.

Band III: Emil Maurer. Das Kloster Königsfelden. Basel 1954.

Band IV: Peter Felder. Der Bezirk Bremgarten. Basel 1967.

Band V: Georg Germann. Der Bezirk Muri. Basel 1967.

Band VI: Peter Hoegger. Der Bezirk Baden I. Baden, Ennetbaden und die oberen Reusstalgemeinden. Basel 1976.

Band VII: Peter Hoegger. Der Bezirk Baden II. Die Landgemeinden des Limmattals, des Surbtals, des Aaretals und des unteren Reusstals sowie das Kloster Fahr. Basel 1995.

Band VIII: Peter Hoegger. Das ehemalige Zisterzienserkloster Wettingen. Basel 1998.

Band IX: Edith Hunziker und Peter Hoegger. Der Bezirk Rheinfelden. Bern 2011.

Band X: Edith Hunziker und Susanne Ritter-Lutz. Der Bezirk Laufenburg. Bern 2019.

Band XI: Edith Hunziker, Susanne Ritter-Lutz, Thomas B. Manetsch. Der Bezirk Zurzach I. Aaretal, Surbtal, Kirchspiel Leuggern. Bern 2024.

 

 


Tegerfelden. «Gerichtshaus». 1671. Foto: Denkmalpflege Kanton Aargau, Roger Wehrli, 2021.

 

 


Schneisingen. Schlössli. Deckengemälde von Francesco Antonio Giorgioli, um 1720. Foto: Denkmalpflege Kanton Aargau, Roger Wehrli, 2020.

 


 

Team / Kontakt

Inventarisation Aarg. Kunstdenkmäler
Abteilung Kultur
Kantonale Denkmalpflege
Säulenhaus
Laurenzenvorstadt 107
5001 Aarau
Tel. (+41) 062 835 23 40

 

 

 

Thomas Manetsch, lic. phil., Kunst-/Historiker

Tel. +41 (0)62 835 23 50
thomas.manetsch@ag.ch

Geboren 1979. 1999-2006 Studium der Allgemeinen Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Zürich. Mitherausgabe der Publikation "Schweizer Städtebilder. Urbane Ikonographien (15.-20. Jahrhundert)", Zürich 2013. Bis 2017 Assistent am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Zürich, 2013 und 2016 Stipendiat des Centro Tedesco di Studi Veneziani in Venedig. Ediert die diplomatischen Depeschen des venezianischen Gesandten Gasparo Contarini, die dieser 1521-1525 vom Hofe Kaiser Karls V. schrieb. Seit 2019 Kunstdenkmäler-Inventarisator im Kanton Aargau.

Guido Linke, Kunsthistoriker M.A.

Tel. +41 (0)62 835 42 58
guido.linke@ag.ch

Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie an den Universitäten Bonn, Freiburg und London. Magisterarbeit zur mittelalterlichen Zisterzienserarchitektur. Tätigkeit als Bauhistoriker und Museumskurator. Ausstellungen und Publikationen zur gotischen Baukunst und Skulptur am Oberrhein, zu den Schwarzwaldklöstern St. Blasien und St. Märgen im Barock. 2022−2023 Ortsbildinventarisator beim Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau, seit 2023 Kunstdenkmäler-Autor des Kantons Aargau.